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Die Linke stellt sich im Konflikt um das Homeoffice-Aus fest an die Seite der Wago-Belegschaft

Die Linke Minden-Lübbecke

Die Linke verurteilt den radikalen Kurswechsel beim Mindener Unternehmen Wago, ab Januar 2027 für sämtliche Bürobeschäftigten an den deutschen Standorten wieder eine pauschale Fünf-Tage-Präsenzpflicht einzuführen. Was die neu formierte Konzernspitze um CEO Björn Twiehaus als Schritt für mehr Innovation und schnelleren Wissenstransfer darstellt, ist für die rund 3.500 Beschäftigten am Stammsitz Minden und an den weiteren Standorten ein massiver Angriff auf ihre Lebensqualität und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Linke erklärt ihre volle Solidarität mit der verärgerten Belegschaft, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall.

Autoritäre Top-Down-Mentalität statt gelebter Mitbestimmung 

„Dass in einer kapitalistischen Wirtschaft die Demokratie allzu oft an den Werkstoren und Bürotüren endet, zeigt sich derzeit exemplarisch bei Wago“, erklärt Leon Rohlfing, Co Sprecher der Linken in Minden-Lübbecke angesichts der eskalierenden Situation im Betrieb. Obwohl für das tarifgebundene Unternehmen der Tarifvertrag zum mobilen Arbeiten gilt, der ausdrücklich eine gemeinsame Gestaltung durch Geschäftsführung und Betriebsrat vorschreibt, setzt das Management auf eine autoritäre Top-Down-Mentalität. 

Dass die Unternehmensleitung konstruktive Verhandlungen über ein ausgewogenes 60/40 Modell plötzlich abbricht, vier bereits vereinbarte Gesprächstermine streicht und nach der Kündigung der bisherigen Betriebsvereinbarung Fakten über das Intranet schaffen will, zeugt von mangelndem Respekt vor der eigenen Belegschaft. Besonders unglaubwürdig wirkt dieser Konfrontationskurs mit Blick auf die Außendarstellung des Unternehmens: Während intern die Rolle rückwärts verordnet wird, nutzt Wago das Versprechen von „New Work“ und ortsunabhängigem Arbeiten auf seiner Webseite sowie in aktuellen Stellenanzeigen weiterhin als Lockmittel im Wettbewerb um Fachkräfte.

Verdeckter Stellenabbau und soziale Kälte auf dem Rücken der Beschäftigten

Für Die Linke steht fest, dass unternehmerische Umstrukturierungen nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden dürfen. Wenn vor Ort nicht einmal ausreichend Büroarbeitsplätze für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhanden sind, ist die in der Belegschaft wachsende Sorge absolut nachvollziehbar, dass über den starren Präsenz Zwang ein stiller Stellenabbau ohne reguläre Kündigungen provoziert werden soll.

Zugleich ignoriert die Konzernführung die Lebensrealität der Beschäftigten, die ihren Alltag im Vertrauen auf verlässliche Arbeitsbedingungen organisiert haben: 

  • Verschärfung der Sorgekrise: Gute Arbeit muss sich an den Lebensbedürfnissen der Menschen orientieren und mit Familie, Kindererziehung sowie der Pflege von Angehörigen vereinbar sein. Eine pauschale Präsenzpflicht stürzt Familien in massive Organisationsprobleme und verfestigt strukturelle Benachteiligungen, da Frauen noch immer die Hauptlast der unbezahlten Sorge- und Familienarbeit tragen. 
  • Ökologischer und gesellschaftlicher Rückschritt: Gute Erwerbsarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie keine überzogenen Ansprüche an die Fahrtzeiten stellt. Tausende Beschäftigte ohne betriebliche Notwendigkeit täglich wieder auf die Straße zu zwingen, raubt den Menschen wertvolle Lebenszeit und widerspricht dem Ziel der Verkehrsvermeidung sowie kurzer Wege zwischen Wohn- und Arbeitsstätten.

Politische Konsequenzen: Mitbestimmung stärken– Recht auf Homeoffice verankern 

Die Linke unterstützt den Wago-Betriebsrat, der inzwischen juristischen Beistand eingeschaltet hat, sowie die Forderung der IG Metall nach einer stichhaltigen Begründung und differenzierten Lösungen. Der Konflikt macht deutlich, dass faire und familienfreundliche Arbeitsbedingungen nicht vom Wohlwollen wechselnder Führungsetagen abhängen dürfen, sondern durch starke kollektive und individuelle Rechte abgesichert werden müssen. Wir fordern daher:

  • Sofortiger Stopp des Alleingangs bei Wago: Die Geschäftsführung muss an den Verhandlungstisch zurückkehren, den Tarifvertrag zum mobilen Arbeiten respektieren und gemeinsam mit dem Betriebsrat eine tragfähige Lösung wie das 60/40-Modell sowie verlässliche Übergangs- und Sonderregelungen für Beschäftigte mit Sorgeverantwortung vereinbaren. Der Verdacht eines verdeckten Personalabbaus muss durch volle Transparenz ausgeräumt werden.
  • Gesetzlicher Rechtsanspruch auf Homeoffice: Beschäftigte brauchen mehr Souveränität über ihre Arbeits- und Lebenszeit. Wo keine zwingenden betrieblichen Gründe entgegenstehen, muss ein gesetzlich einklagbares Recht auf mobiles Arbeiten gelten, statt die Entscheidung allein dem Arbeitgeber zu überlassen.
  • Freiwilligkeit und Schutz vor Entgrenzung: Flexibilität darf nicht einseitig den Unternehmensinteressen dienen, sondern muss sozial abgesichert sowie familienfreundlich gestaltet sein. Homeoffice muss freiwillig bleiben, durch einen festen Arbeitsplatz im Betrieb ergänzt werden und durch konsequenten Arbeits und Gesundheitsschutz vor ständiger Abrufbarkeit schützen.
  • Echte Wirtschaftsdemokratie und Vetorechte: Um einseitige Rückschritte durch das Management künftig zu unterbinden, müssen die Mitbestimmungsrechte von Betriebs- und Personalräten gesetzlich ausgeweitet und um bindende Vetorechte in bedeutenden sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Belangen ergänzt werden.
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